Sonntag, 15. April 2018

Wolfcamp 1: Die Ankunft von Heiko Grießbach

Zum Inhalt: 
Kassita ist erst fünfzehn, aber sie merkt, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Als sie ihren Freund grundlos und mit ungeahnter Kraft verprügelt, soll sie die Ferien in einem Camp verbringen. Oder ist das eher ein Besserungslager für aufmüpfige Teenager? Dazu passen aber nicht die komischen Andeutungen ihres Bruders. Und warum nennt er das Lager, in dem er selbst schon gewesen sein soll, Wolfcamp? Als wieder Vollmond ist, passieren seltsame Dinge im Camp.

Cover: 
Die Cover der Reihe sind markant gleichbleibend. Auf jedem Cover ist die Protagonistin der Geschichte zu sehen - Kassita. Ihr Gesicht ist fahl, scheint nachdenklich und verletzlich und durchaus unglücklich. Die Cover unterscheiden sich lediglich durch die wechselnden Hintergründe, wobei die meisten in einem bläulichen Ton gehalten sind. Auf diesem sieht man im Hintergrund den Vollmond leuchten. Allein durch das fahle Gesicht von Kassita und den Vollmond kann man daraus schließen, dass es sich um eine Geschichte mit Werwölfen handeln wird oder mindestens um Gestaltwandler. Man bringt es einfach mit dem Vollmond in Verbindung. Da die Cover alle recht gleich sind, erkennt man auch, dass sie als Serie zusammen hängen.

Eigener Eindruck:
Als Kassita an diesem Morgen aufwacht, da traut sie ihren Augen nicht, als sie in den Spiegel schaut. Über Nacht sind ihr überall im Gesicht schwarze Haare gewachsen. Voller Panik bittet sie ihren Bruder ihr einen Rasierer zu leihen und versucht dem Unheil entgegen zu wirken, während ihr Bruder scheinbar amüsiert scheint. Doch das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit die sich ereignet, denn als Kassita mit ihrem Freund ins Kino geht und er ihr zu nah kommt, scheint sich etwas in ihr zu wehren und kurzerhand verprügelt sie ihn, was dazu führt, dass Kassita plötzlich ohne Freund da steht und ihr Leben immer weniger versteht. Dem Ganzen wird schließlich noch die Krone aufgesetzt, als ihre Eltern beschließen, dass sie im Sommer in ein Camp soll. Ein Besserungslager, so glaubt Kassita. Doch ihr Bruder war auch schon dort, lässt sich aber keine Informationen entlocken, wo die Reise hingeht. 
Ehe sich Kassita versieht, findet sie sich inmitten der Pampa Mecklenburg-Vorpommerns wieder in einem Camp voller anderer Teenager, welche teilweise auch nicht so recht wissen, was sie hier sollen und der Rest, der es weiß, der hüllt sich in Schweigen. Doch was Kassita auffällt, alle um sie herum benehmen sich komisch. Und dann lässt der Campleiter die Bombe platzen... Kassita und ihre Mitstreiter sind Werwölfe und sollen im Camp lernen, mit ihren Fähigkeiten umzugehen.

Die Jugendserie "Wolfscamp" aus der Feder des deutschen Autors Heiko Grießbach macht auf den ersten fünf Metern richtig neugierig, wenn man sich die Inhaltsangabe durchliest, besonders dann, wenn man auf Geschichten rund um mystische Wesen total fixiert ist. ein Werwolfcamp? Das hörte sich erst einmal richtig spannend an. Aber leider wurde ich dann schon auf den ersten Seiten mehr oder minder enttäuscht - und es wurde auch nicht besser. 
Gespickt mit einer Menge Logikfehlern und einigen Stellen, an denen mir einfach die Emotionen gefehlt haben, muss ich sagen, dass ich den ersten Teil doch recht lieblos fand, da hat es auch nichts geholfen, dass die neuen Mitstreiter von Kassita sich sonst was für coole Namen geben - was im übrigen eher noch mehr verwirrt hat. Aber okay, kommen wir zu den logischen Fehlern, die mir persönlich echt den Lesepsaß genommen haben.

1. Kassita steht früh Morgens auf und ihr komplettes Gesicht ist behaart. Mir hat an der Stelle die wirklich richtige Panik gefehlt. Sie nimmt mir das viel zu locker hin und auch ihre Eltern scheinen es null für nötig zu halten das arme Kind zu beruhigen oder aufzuklären - spätestens ab der stelle haben doch die ersten schon einen psychischen Knacks weg.
2. Nachdem Kassita ihren Freund attackiert hat und noch immer nicht weiß, was mit ihr los ist und sie noch immer panisch ist, wäre es dann doch langsam angebracht aufzuklären - der zweite psychische Knacks dürfte hier bereits auf sich warten lassen.
3. Die Campumschreibung hätte in meinen Augen ganz gern noch ein bisschen detaillierter von sich gehen können. Irgendwie wirkt alles so plump und auch die Einführung in die Kurse wirkt irgendwie, nun ja, sagen wir abgemattet. Da fehlt Spannung, da fehlt Endeckungsfreude.
4. Außerdem war ich einfach nur enttäuscht darüber, wie plump den Kindern dann erklärt wurde, was sie sind und wie sie es aufgenommen haben. Das wäre ein Bad an Details und Emotionen gewesen, aber hier scheinen die Kids das einfach so hinzunehmen. Wo ist die Aufregung? Wo die Angst?
5. Das Belegen der Kurse ist bisweilen wirklich langweilig, weil alles so lieblos runter gerattert wird und mir einfach die fundamentalen Details fehlen. Wäre es nicht spannender gewesen z.B. bei den Kampfkursen etwas mehr mit Spannung und Details zu spielen? Mit der Angst davor zu kämpfen oder jemanden weh zu tun? Oder in Wolfskunde Erstaunen und Erkenntnis noch mehr einzubringen? 

Für mich persönlich waren das zu viele Unstimmigkeiten, die mich immer wieder ins Stocken beim lesen oder völlig aus dem Konzept gebracht haben - eben, weil ich einfach nicht nachvollziehen konnte. Eigentlich finde ich es wirklich schade, denn die Idee an sich fand ich wirklich nicht schlecht. Zwar gibt es bereits Massen an "Camp"-Reihen und "Gestaltwandler"-Geschichten, aber mir schien das einmal eine völlig neue Reihe zu werden - zum einen, weil sie sich an junge Leser wendet, zum anderen, weil sie einmal nicht in Amerika spielt, sondern in Deutschland. Jetzt, nachdem ich den ersten Teil gelesen habe, bin ich doch recht ernüchtert und habe wirklich überlegt, ob ich die Reihe weiter verfolgen sollte. Doch ich habe Hoffnung, dass das Camp vielleicht doch noch aus sich heraus kommt. Deshalb werde ich mir auch den zweiten Teil der Reihe zu Gemüte führen.

Da mir das Buch nicht wirklich gefallen hat, kann ich leider keine Leseempfehlung aussprechen. Wer ein junger Leser ist und sich für Werwölfe interessiert, dem könnte die Reihe vielleicht gefallen - schließlich empfindet ja jeder anders.

Idee: 5/5
Charaktere: 3/5
Emotionen: 2/5
Details: 3/5
Spannung: 3/5
Logik: 3/5

Gesamt: 3/5

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 2848.0 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 97 Seiten
  • Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B01GGNHYX0