Sonntag, 8. April 2018

Bis Sansibar und weiter von Jürgen Banscherus

Zum Inhalt:
Von der ersten großen Liebe und anderen Geheimnissen.

Marius hat die Welt ganz gut im Griff - bis Linda in sein Leben platzt und alles auf den Kopf stellt. Doch Linda hat ein Geheimnis, das sie um nichts in der Welt preisgeben will. Ein Geheimnis, das irgendetwas mit Segelschiffen zu tun hat und mit der Insel Sansibar …

Romantisch, warmherzig, komisch: eine Geschichte wie das Leben selbst.

Cover:
Das Cover meines Buches ist eigentlich nicht wirklich ein Blickfang. auf blauem Hintergrund sieht man lediglich eine Glasflasche, welche eine Nachricht zu enthalten scheint. Nicht sonderlich spektakulär und eben einfach nicht anziehend. Schade eigentlich, denn die Geschichte ist wirklich klasse. Aber so hätte ich das buch wohl niemals für voll genommen, wenn mich der titel nicht neugierig gemacht hätte und ich nicht schon ein paar andere Sachen des Autors gelesen hätte.

Eigener Eindruck:
Seit sein Vater beim Kirschenpflücken mit seinen massigen Körper das Gleichgewicht verloren hat und dabei starb, lebt Marius mit seiner Mutter allein in dem Haus, mit dem Garten, in dem der Kirschbaum steht. Während seine Mutter immer wieder in den Garten geht, um mit seinem Vater durch den Kirschbaum zu reden, hat der zahlenbegabte Marius die Geschäfte seiner Mutter in die Hände genommen hat, damit sie sich nicht übers Ohr hauen lässt. Damit können die beiden gut leben und Marius muss sich so keinen Job neben der Schule suchen. Ab und an kommt auch die Großmutter vorbei und mischt die beiden ordentlich auf oder kocht etwas, damit die Familie nicht vom Fleisch fällt - was aber nie der Fall wäre, denn Oma wie Mama sind wirklich voluminös, was schließlich auch dazu führt, dass Marius eher den dickeren Mädchen hinterherschaut, als den Dünnen.
Als Linda in seine Klasse kommt, weiß Marius nicht so recht, was er von ihr halten soll. Spindeldürr ist sie für ihn eher uninteressant, aber der Charakter von ihr scheint ihn zu faszinieren - zumindest so lang, bis sie ihm ein blaues Auge verpasst und Marius beschließt ihr fortan aus dem Weg zu gehen. Doch Linda scheint immer wieder in den Momenten aufzutauchen, in denen sie Marius gleichzeitig schockiert, aber auch weiterhin fasziniert. Als sie ihn schließlich darum bittet ihr Mathenachhilfe zu geben lernt Marius sie besser kennen und beginnt sich langsam in sie zu verlieben. Als sie eines Tages von Sansibar spricht und vom Segeln, da kauft Marius ihr ein Segelboot, um ihr eine Freude zu machen, doch damit fängt der Ärger erst an...

Die Geschichte "Bis Sansibar und weiter" aus der Feder von Jürgen Banscherus ist eine wirklich schöne Jugendgeschichte rund um das Thema erste Liebe und erwachsen werden. Wir treffen hier auf Marius, der durch die korpulente art seiner Familie durchaus geprägt ist, auch wenn er selbst eher dünn ist. Er ist ein vorsichtiger Typ und macht sich zu Beginn noch nicht viel aus Mädchen, auch wenn er mit einem Mädchen aus der Klasse schon ein bisschen liebäugelt. Aber er ist zu Beginn der Geschichte noch von der typischen "Mitläufersorte", wenn andere über jemanden lachen, dann lacht er eben mit und so verbaut er sich zumindest mit seinem Schwarm in meinen Augen eine ganze Menge. Trotzdem finde ich Marius als Charakter aber doch sehr sympathisch. Er hat keine Berührungsängste mit Menschen, auch wenn sie ihm komisch erscheinen und er ist immer hilfsbereit. Das merkt man vor allem in dem Verständnis für seine doch recht labile Mutter und in seiner freundlichen Art, als der alte Kapitän scheinbar wirklich ganz schnell Hilfe benötigt. Er ziert sich nicht und steht dann schlussendlich für seine Meinung ein. Außerdem springt er auch oft über seinen Schatten, was ich wirklich richtig gut finde.
Linda als zweiter Protagonist ist da völlig anders. Sie ist poltrig. Sie scheint recht eingebildet zu sein und vor allem hat sie mehr als die große Klappe, besonders in Hinsicht auf ihre Lehrer und ihr Umfeld. Dass sie dadurch öfter in Probleme hinein gerät, das wundert wohl kaum und man selbst, als Leser, man mag sie einfach nicht. Das ändert sich erst ab dem Moment, wenn man sie besser kennen lernt und man nach und nach erst verstehen kann, warum sie denn so ist. die Auflösung erhält man jedoch erst ziemlich spät und so denkt man sich oft beim Lesen einfach nur so, dass der Marius die unmögliche Eule doch endlich in den Wind schießen soll. 

Die Schreibweise des Autors ist sehr angenehm. Schnell findet man sich in die Geschichte hinein und wenn man erst einmal angefangen hat zu lesen, kann man das Buch ganz schlecht wieder aus den Händen legen, sei es, weil man die verschrobene Art von Marius Mutter so faszinierend findet oder weil Linda wieder etwas ausgefressen hat und Marius versucht aus ihr schlau zu werden. Die Geschichte ist einfach so detailliert beschrieben, dass die Seiten einfach nur so dahin fliegen. Egal, wann man das Buch dann doch einmal weglegt, man beschäftigt sich trotzdem immer weiter mit der Geschichte. Da ist vor allem immer wieder die Frage, warum Marius Mutter den Vater einfach nicht loslassen kann, schließlich ist er ja schon so lange tot. Dann versteht man nicht, warum sie in eine Art Lethargie verfällt als er plötzlich angeblich nicht mehr mit ihr "redet". Man wundert sich, wie Marius das alles als noch recht junger Mensch stemmt und dann ist da eben immer wieder die Sache mit Linda, bei der man immer öfter die Hände über dem Kopf zusammen schlagen will. Eher eine Nebenrolle, aber doch recht interessant, nimmt der alte Kapitän ein. Er ist recht verschroben und die Art wie er sich manchmal gibt, ist echt bedenklich, aber sie sorgt sehr oft dafür, dass man auch einmal lachen muss. Die Kombination aus all diesen Charakteren und Faktoren macht die Geschichte weit über das Buch interessant und das finde ich richtig gut. 
Was mir jedoch nicht so gut gefallen hat war zum Ende hin das doch recht überstürzte Ende. Ab dem Kauf und die Aufarbeitung vom Boot ging mir dann doch alles zu schnell und obwohl im Groben Lindas Geschichte beschrieben wird, wird man doch nicht schlau aus ihr, besonders in Hinsicht auf den Umgang mit den Lehrern. Man kann zwar das große Ganze nachvollziehen, aber im Detail ist man doch etwas unzufrieden.

Empfehlen möchte ich das Buch allen Freunden von Geschichten rund um die erste Liebe und das erwachsen werden. Ihr kommt hier voll und ganz auf eure Kosten.

Idee: 5/5
Details: 4/5
Emotionen: 4/5
Logik: 4/5
Lesespaß: 5/5

Gesamt: 4+/5

Gebundene Ausgabe: 171 Seiten
Verlag: cbj (2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570131068
ISBN-13: 978-3570131060
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren