Dienstag, 16. Mai 2017

Das Perlenmädchen von Barbara Wood

Zum Inhalt:
Sie ist die beste Perlentaucherin ihres Stammes. Aber Tonina darf nicht auf der tropischen Insel bleiben, die ihre Heimat ist. Allein muss sie auf das Festland, um dort die heilbringende Pflanze zu suchen, die das Leben ihres Großvaters retten kann. Ihr Ziel ist die Hauptstadt des Maya-Reiches. In den legendären Gärten des Herrscherpalastes trifft sie auf den berühmten Wettkämpfer Chac. Unwissentlich wird sie zum Werkzeug einer Intrige, durch die Chac und sie am heiligen Ort Chichen Itza den Opfertod erleiden sollen. Tonina gelingt das Unmögliche: Sie rettet Chacs Leben. Aber damit gerät sie selbst in Gefahr. Als sie aus der Mayastadt flüchtet, weiß sie noch nicht, dass ihr abenteuerlicher Weg sie zum Geheimnis ihrer eigenen Herkunft führen wird…

Einst wurde Tonina in einem Körbchen, mit einem Kelch und Einer Decke aus dem Meer gezogen, um auf einer weit entfernten Insel aufzuwachsen. Als ihr Großvater erkennt, dass sie in Gefahr ist, beschließt er die beste Perlentaucherin seines Stammes wieder dort hin zurück zu schicken, wo sie hergekommen ist. Unter dem Vorwand, dass er eine seltene Pflanze benötigt, um seine Krankheit zu heilen, kann er Tonina davon überzeugen aufzubrechen. Gemeinsam mit weiteren Leuten aus dem Dorf soll die große Überfahrt beginnen, doch einzig Tonina schafft es ans Festland. Dort gelangt das Mädchen in die Hauptstadt des Maya-Reiches, wo sie den talentierten Spieler Chac begegnet. Zwischen den beiden kommt es zu einer zarten Liebe, obwohl Chac bereits verheiratet ist. Als Chac und Tonina jedoch einer Intrige anheim fallen, sollen sie den Opfertod erleiden. Es gelingt Tonina sich und Chac davor zu bewahren. Doch fortan muss sie immer auf der Hut sein, denn der Übeltäter macht sich auf ihre Spur, um sie und Chac leiden zu sehen. Auf ihrer Flucht begegnet Tonina so manchen Menschen, die sie ins Herz schließen, aber auch ihre eigene Vergangenheit wird völlig neu aufgerollt und die Liebe zu Chac wird immer wieder auf eine harte Probe gestellt.

"Das Perlenmädchen" aus der Feder von Barbara Wood ist in meinen Augen ein kleiner Epos. Die Autorin entführt in das Leben und die Sitten der Maya-Kulturen, die so fortschrittlich aber auch so grausam waren. Barbara Wood versteht es Spannungen aufzubauen, immer wieder neue Wendungen mit ins Spiel zu bringen und so detailliert zu schreiben, dass man denkt, dass man direkt mit in der Geschichte ist. Für ihre Geschichte hat sich die Autorin sehr viel Wissen angeeignet und beschreibt dieses detailliert in dem Roman. Der Leser bekommt also nicht nur eine schöne Liebes- beziehungsweise Abenteuergeschichte präsentiert, sondern lernt beim lesen auch noch etwas dazu. So erfahren wir, dass es bei den Maya "in" war, den Kindern die Köpfe abzubinden, um diese in bestimmte Formen zu bringen. Obwohl sie so fortschrittlich waren, verehrten sie ihre Götter und zelebrierten dies sehr blutig. Fußball gab es bereits in einem gewissen Sinne auch schon. Das Spiel wird detailliert beschrieben, denn Chac ist der erste Spieler. Dass er damit aber sein Leben auf's Spiel setzt, das schockiert. Denn der Führer der Mannschaft, die das Spiel verliert wurde zu der damaligen Zeit einfach öffentlich hingerichtet.

Die Geschichte um Tonina beginnt auf der kleinen Insel, wo sie als Perlensucherin lebt. Man erfährt, wie sie zu ihren Großeltern gekommen ist, warum sie das Kind aufgenommen haben und was sie in Tonina sehen. Sie scheint ein recht unbeschwertes Leben zu führen. Doch das ändert sich schlagartig. Tonina auf ihrer Reise zu begleiten ist interessant. Man muss ihren Mut bewundern und ihre Art. Sie scheint immer fröhlich zu sein und bedacht. Nie scheint sie einen Groll zu hegen. Beherzt geht sie an ihre Aufgabe und versucht immer das beste aus ihrer Situation zu machen. Dass das Schicksal es nicht immer gut mit ihr meint ist fast schon frevelhaft und doch lässt sie sich nicht unterkriegen. Man muss sie einfach mögen. Fast ist man schon böse auf Barbara Wood, wenn man liest, was sie mit Tonina so alles anstellt. Sicher ist es zu der damaligen Zeit so krass gewesen, aber so ein bisschen weh tut einem das dann schon.

Was mir an dem Buch nicht so gut gefallen hat war, dass manche Szenen sich so elendig lang gezogen haben und die Autorin wirklich bis in die letzte Ecke ausgeholt hat. Das hat mich dann doch ab und an einnicken lassen. Auch so manche Szene, wenn auch wirklich herzlich gemeint ist mir dann doch zu sehr herbei gezwungen gewesen. So trifft Tonina zufällig auf ihre Mutter, die in einer Höhle lebt und nicht von dort fliehen kann, weil sie nicht schwimmen kann. Dass die gute Frau dort aber schon Ewigkeiten lebt und scheinbar alles hat, was sie braucht schien mir doch recht unlogisch. Auch, dass Tonina immer wieder auffindbar ist, besonders für den Gegenspieler ist in meinen Augen weit her geholt. Wann hätte man wohl besser abtauchen können, als zu jener Zeit?

Empfehlen möchte ich das Buch allen Leserinnen, die eine epische Liebesgeschichte mit viel Drama und geschichtlichem Hintergrund suchen. Mit Barbara Woods "Perlenmädchen" ist man hier bestens beraten. Wer viel Action sucht, sollte hier die Finger davon lassen. In meinen Augen ist das Perlenmädchen wirklich etwas Seichtes für ruhige Momente.

Idee: 5/5
Charaktere: 5/5
Logik: 4/5
Emotionen: 4/5
Spannung: 4/5

Gesamt: 4/5

  • Taschenbuch: 608 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 5 (1. Januar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596158842
  • ISBN-13: 978-3596158843
  • Originaltitel: ^Woman of a Thousand Secrets
  • Größe und/oder Gewicht: 12,5 x 3,9 x 19 cm

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