Freitag, 3. Februar 2017

Ich schreib dir morgen wieder von Cecelia Ahern

Das Leben von Tamara liegt in Scherben. Ihr heißgeliebtes und luxuriöses Leben in Dublin gehört der Vergangenheit an, nachdem ihr Vater nach einem Selbstmord die Familie mit einem hohen Berg Schulden zurück gelassen hat. Fortan muss sie ihr Dasein bei ihrem Onkel Arthur und ihrer Tante Rose auf dem Land fristen, während ihre Mutter scheinbar immer tiefer in Depressionen verfällt. Als eines Tages eine mobile Bibliothek vor ihrer Haustür hält, bewaffnet mit einem gar nicht so unattraktiven Bibliothekar, scheint es für Tamara doch noch einen Lichtblick zu geben. Doch dann stößt sie auf ein Tagebuch welches ihr ihre Zukunft voraus sagt. Stets einen Tageseintrag voraus beginnt Tamara sich ihrem Schicksal zu fügen oder etwas daran zu ändern. Dabei kommt sie auf die Spur eines alten Geheimnisses, das nicht nur sie, sondern ihre ganze Familie betrifft und so ungeheuerlich ist, dass ihr ganzes Weltbild noch einmal ordentlich durcheinander gebracht wird.

Mit "Ich schreib dir morgen wieder" begibt sich Cecelia Ahern ein bisschen auf die fantastische Schiene. Durch den kleinen Hauch an Fantasy und Magie wird die Geschichte zwar spannender, aber für mein Empfinden an manchen Stellen auch ein bisschen unlogischer. Wir haben hier also Tamara, welche sich mit der Tatsache konfrontieren muss, dass ihr Vater Selbstmord begangen hat. Sie muss aufs Land ziehen und ihre tollen und obercoolen Freundinnen sowie ihr kopfloses Leben hinter sich lassen. Während ihre Mutter scheinbar immer mehr in ihre Depression fällt, benimmt sich ihre Tante Rose sehr merkwürdig. Sie scheint Tamara auf Schritt und Tritt zu verfolgen und ist überfürsorglich gegenüber Tamaras Mutter. Ihr Onkel hingegen schweigt sich über die neue Lebenssituation der Familie aus. Tamara fühlt sich, als ob ihr die Luft zum Atmen genommen wird und so beginnt sie außerhalb des Hauses die Gegegnd zu erkunden. So findet sie neue Freunde und Bekannte, unter anderem eine Nonne, die immer wieder behauptet, dass Tamara bald 18 wird, anstatt 17. Außerdem ist da noch der Bungalow gegenüber, in dem Rose' Mutter lebt. Ein Ort, den Tamara scheinbar unbedingt meiden soll, doch warum?
Im Großen und ganzen spielt die Geschichte quasi vor unserer Haustür. Es scheint eine Geschichte, wie aus dem Leben gegriffen. Doch als Marcus mit seiner mobilen Bibliothek auftaucht, nimmt die Geschichte eine völlig unerwartete Wendung, denn in ihr findet Tamara ein verschlossenes Buch, welches sich als unbeschriebenes Tagebuch entpuppt. Tamara nimmt sich vor darin zu schreiben. Doch als sie das nächste mal hinein blickt, steht in ihrer Handschrift geschrieben, was am nächsten Tag passieren wird...

Die Geschichte rund um Tamara liest sich sehr flüssig und scheint verständlich, bis eben jenes Tagebuch ins Spiel kommt. Von da an ist Tamara darauf bedacht Dinge zu ändern und sie kommt auch so manchem Geheimnis auf die Spur. Trotzdem konnte ich mich mit dem Tagebuch nicht so wirklich anfreunden. Zeitweise schien es mir langweilig, der Spur des Tagebuchs zu folgen, dann war es mir einfach zu unlogisch, wie das Ganze denn funktionieren soll. Auch der Wahnsinn, der sich hinter einer der Personen verbirgt war mir nicht ganz schlüssig, vor allem, weil es so viele Mitwisser gab. Das ist in meinen Augen mehr als kriminell, was dort zeitweise passiert ist, aber scheinbar schweigen sich alle darüber aus, was ich so nicht verstehen kann. Gerade in unserer heutigen Zeit, wo doch jeder wegen Beihilfe zu irgendwas verurteilt wird, hätte ich schon gedacht, dass da für den einen oder anderen noch etwas kommen muss. Was mir auch nicht unbedingt logisch erschien war Tamara. Sie beschreibt sich zu Beginn selbst als Mädchen, das sehr egoistisch gehandelt hat. Doch bereits bei ihrer Ankunft scheint Tamara völlig umgekrempelt. Viel schöner wäre der Wandel gewesen, wenn man ihn wirklich miterlebt hätte, das wäre glaubhafter gewesen. So versinkt die Protagonistin, ab und an in Selbstmitleid, dann sogt sie sich um ihre Mutter und schließlich ist sie nur ein einziges mal die egoistische Göre von früher. Das hätte in meinen Augen viel öfter durchkommen müssen, dann wäre es glaubhafter gewesen. So scheint Tamara dann doch nur als das normale Mädchen von nebenan, das sich ein bisschen in seiner Selbsteinschätzung vermacht hat.

Mein Fazit zu diesem Buch ist: Kann man gelesen haben, muss man aber nicht. Der Anfang schleppt sich ganz schön dahin, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt. Da braucht man etwas Ausdauer, doch wenn es flutscht, dann läuft es. Wer über den einen oder anderen Logikfehler drüber wegsehen kann, der wird an dem Buch seine Freude haben. Das große Emotionskino bleibt in meinen Augen jedoch diesmal aus, jedoch wird man mit jeder Menge anderer Details gefüttert, was auch sehr schön ist.

Idee: 4/5
Charaktere: 5/5
Spannung: 4/5
Logik: 4/5
Emotionen: 3/5

Gesamt: 4/5


  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 4 (9. September 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596173191
  • ISBN-13: 978-3596173198
  • Originaltitel: The Book of Tomorrow
  • Größe und/oder Gewicht: 12,5 x 2,7 x 19 cm

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