Mittwoch, 5. Oktober 2016

Road to Forgiveness (Herzenswege 2) von Martina Riemer



Was würdest du tun, wenn dein Leben einem Scherbenhaufen gleicht?
Was würdest du tun, wenn dein Leben einfach nicht mehr so ist, wie es einmal war?
Was würdest du tun, wenn du eine Schuld auf deinen Schultern trägst, die dich schier in den Wahnsinn treibt?
Was würdest du tun, wenn du jemanden triffst, der dein Schicksal zu teilen scheint?
Was würdest du tun, wenn du diesen jemand magst und mehr?
Was würdest du tun, wenn dieser jemand so zerbrechlich wirkt, dass jeder falsche Schritt, den du tust, alles für immer zerstören könnte?

Nat hat alles verloren, was ihm lieb gewesen ist und für was er immer gekämpft hat. Seine Großmutter ist gestorben, seine Mutter hat er in ihrer schweren Zeit nicht vor einem Suizid bewahren können und nach einem Autounfall ist er ein Wrack. Seinen Lieblingssport und sein Team hat er an den Nagel gehängt. Einzig seine Schwester Sarah hält ihn aufrecht und bewegt ihn dazu weiter zu machen. Gemeinsam mit ihr und ihrem Freund Johnny ist er nach Amerika gegangen. Doch während Johnny und Sarah durch die Staaten touren, bleibt Nat in der Wohnung von Kelsey, einer Freundin von Sarah und Johnny. Er besucht die Uni und stürzt sich immer mehr in eine Absolution aus Sport und übergesunder Ernährung. Nat versucht seinen inneren Dämonen zu entfliehen, doch immer wieder hadert er mit sich selbst. Erst als er Ava trifft scheint sich sein Leben wieder in andere Bahnen zu lenken, denn Ava scheint seine zweite Hälfte zu sein. 

Ava ist nach einem schweren Schicksalsschlag nicht mehr die, die sie einst war. Sie hat die Musik an den Nagel gehängt und flüchtet sich nach der Schule erfolgreich aus ihrem alten Leben. Sie lässt ihre überfürsorglichen Eltern hinter sich und zieht zu ihrer Freundin Lourdes, die sie zu sich eingeladen hat. Doch auch in einer neuen Umgebung wird Ava immer wieder von ihren Dämonen heim gesucht. Sie hasst sich. Sie hasst ihren Körper. Sie hasst das, was sie getan hat. Doch als sie auf den österreichischen Studenten Nat trifft ändert sich plötzlich alles. Mit dem immer nachdenklichen Nat kann sie rumblödeln, er setzt sich für sie ein und im Allgemeinen beginnt Ava mit der Zeit für ihn zu schwärmen. Doch das darf alles nicht sein. Denn sie ist, was sie ist. Als die WG von Ava und Lourdes in Flammen aufgeht, ist Ava gezwungen mit ihrer Mitbewohnerin zu ihrer Cousine Kelsey zu ziehen. Genau in die Wohnung, wo auch Nat lebt. Während die beiden zu Beginn noch recht geschockt sind, dass der andere nun der Mitbewohner ist, arrangieren sie sich mit der Zeit. Doch immer wieder schaffen es die beiden den anderen etwas zu sagen oder zu zeigen, was den anderen tief im Inneren verletzt. Ava und Nat begeben sich auf eine emotionale Achterbahnfahrt zwischen Selbstfindung, Liebe und Trauer.

Road to Forgiveness ist der zweite Teil der "Herzenswege"-Reihe von Martina Riemer. Nachdem ich den ersten Band gelesen und geliebt habe, habe ich mich schon richtig auf den zweiten Band gefreut. Ich hatte die Hoffnung, dass ich neben alten Charakteren auf neue Protagonisten treffe und ich bin nicht enttäuscht worden. Während sich der erste Band noch sehr auf das Seelenleben der Protagonisten und die Musik gestützt hat, fällt die Musik zu großen Teilen im zweiten Band weg und macht noch mehr Emotionen Platz. Das war interessant, aber auch ein bisschen schade, weil ich fand, dass die Musik gerade den Charme des ersten Buches ausgemacht hat. Trotzdem punktet der Roman wieder einmal mit sehr ausführlichen Emotionen und einer Portion Mut, denn Martina Riemer behandelt hier ein Thema, welches nicht jedem Autor liegt. Der Leser lernt das Leben von Ava näher kennen, die ihr ganz eigenes Päckchen mit sich herum zu tragen hat. Sie ist vom Schicksal gekennzeichnet. Sie muss mit der Schuld leben ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben. Sie muss sich mit Vorurteilen herumplagen und sich selbst erst wieder lieben lernen. Das ist ein sehr sensibles Thema, wird in diesem Buch aber sehr gut dargestellt und behandelt. Durch Nat schafft es Ava sich endlich wieder wie ein kompletter Mensch zu fühlen und sich selbst mehr zu achten. Aber auch Nat hat seine Probleme, denn noch immer ist er über den Tod seiner Mutter und Großmutter nicht hinweg und auch der Autounfall lässt ihn nicht mehr los. Die beiden versuchen sich immer zu helfen, was ich wirklich niedlich finde. Sie vergessen darüber hinaus ihre eigenen Sorgen und wachsen an ihren neuen Aufgaben.
Die Geschichte an sich mag ich wirklich sehr gern, weil sie einfach ein Paket von allem liefert. Trotzdem hat mir zum Ende hin der gewisse Pfeffer gefehlt. Die Geschichte erzählt dir zwar, wie es allen geht, aber mir fehlt da die Spannung. Es ist für mein Empfinden irgendwie unrund, was ich wirklich schade finde. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

Ava als Protagonistin ist wirklich sehr gut gelungen. Man kann sich richtig gut in sie hinein versetzen. Man versteht ihre Zweifel und Ängste. Ich hab sie wirklich dafür bewundert, dass sie so eine Kämpfernatur ist, obwohl sie wirklich schon so viel durchgemacht hat. Zu Beginn des Buches versinkt Ava immer wieder in Selbstmitleid, trauert ihrem Körper hinterher. Jedoch lernt sie sich mit der Zeit zu lieben. Das finde ich sehr wichtig. Sie blickt nach vorn. Sie will es allen zeigen. Und das macht sie in meinen Augen so ungemein sympathisch.
Nat hingegen scheint immer nett und bedacht. Dass in seinem Inneren so ein Kampf wütet, würde man erst gar nicht vermuten. Erst im Verlauf der Geschichte lernt man ihn besser kennen, was ihn beschäftigt und welche Gedanken ihn plagen. Dass er es nicht immer leicht gehabt hat, das weiß man schon aus dem ersten Band, doch nun werden noch mehr Storys aus seinem Leben aufgetragen und man weiß erst nicht, ob man ihn für seine Stärke bewundern oder Mitleid für das Erlebte haben soll. Nat muss man einfach gern haben. Man bangt regelrecht mit ihm und Ava, dass sie es schaffen wieder richtig ins Leben zurück zu finden.
Als Nebencharakter muss ich einfach wieder auf Kelsey zu sprechen kommen. Ich liebe sie und ihre quirlige Art einfach. Sie sagt alles so, wie sie es denkt, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen und sie versucht immer für alle das Beste aus der Situation heraus zu holen. Ohne sie wären die Freunde wirklich aufgeschmissen. Sie ist ein Sonnenschein, den man einfach gern haben muss. Es geht gar nicht anders.

Empfehlen möchte ich das Buch allen, die gern emotionale Liebesromane lesen. Ihr kommt hier voll und ganz auf eure Kosten. Das Buch strotzt vor dramatischen Erinnerungen und emotionalen Momenten. Wirklich gut gemacht. Einzig mit dem Ende bin ich wie gesagt nicht so wirklich warm geworden.

Idee: 5/5
Spannung: 4/5
Emotionen: 5/5
Charaktere: 5/5

Gesamt; 4/5


  • Taschenbuch: 247 Seiten
  • Verlag: Impress (29. September 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3551300577
  • ISBN-13: 978-3551300577
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Größe und/oder Gewicht: 14,4 x 2 x 21,3 cm

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