Freitag, 5. August 2016

Interview mit einem Vampir (Die Chronik der Vampire Band 1) von Anne Rice




Auch unter den Titeln:

- Gespräch mit einem Vampir
- Schule der Vampire

erschienen.


Die Geschichte beginnt damit, dass der Journalist Daniel in einem Hotelzimmer die Chance auf ein ganz großes Interview bekommt. Sein Interviewpartner ist ein Wesen der Nacht und hat sich dazu entschlossen endlich seine Lebensgeschichte zu teilen und das Geheimnis der Vampire zu verraten - nämlich, dass es sie gibt. Der Vampir Louis de Pointe du Lac erzählt dem jungen Menschen Ungeheuerliches, während dieser alles mit einem Tonband mitschneidet.

Er beginnt seine Geschichte in den späten 17hunterter Jahren, als er selbst noch ein ganz junger Bursche war. Gerade hatte er Frau und Kind verloren und war des Lebens überdrüssig, als der Vampir Lestat ihn findet und zu einem Vampir macht. Gemeinsam leben die beiden Vampire auf der Plantage von Louis. Während Lestat sich an den Sklaven labt, möchte Louis seinen Seelenfrieden wieder finden und zündet das Haus an, damit Lestat sich nicht mehr an den Sklaven vergehen kann. Die beiden können gerade so den Flammen entkommen. Als Lestat schließlich immer ausschweifender und blutrünstiger wird, möchte sich Louis gänzlich von ihm lossagen. In diesem Moment läuft er dem kleinen Mädchen Claudia über den Weg, deren Mutter an der Pest gestorben ist. Um sie nicht ohne Mutter aufwachsen zu lassen und von ihrem Kummer zu erlösen beißt Louis sie, wird aber von Lestat überrascht und flüchtet in dem Glauben, dass er das kleine Mädchen getötet hat. Lestat indes nimmt das Mädchen mit sich und macht sie ebenfalls zu einem Vampir, um Louis wieder fester an sich zu binden. Gemeinsam mit dem Vampirkind leben sie wie eine kleine Familie, bis schließlich Claudia nach Jahrzehnten - noch immer im Körper eines kleinen Mädchens gefangen - Lestat ermordet. Doch so leicht lässt sich der bösartige Vampir nicht aus dem Weg räumen. Gemeinsam begeben sich Louis und Claudia schließlich auf die Reise nach Europa, um nach anderen Vampiren zu suchen. Doch nicht überall werden sie freundlich empfangen, denn der Schatten Lestats scheint sie trotz allem überall hin zu verfolgen.

Interview mit einem Vampir war mein erstes Vampirbuch und es hat mich restlos gefesselt. Ich könnte es immer und immer wieder lesen oder mir die Filmadaption ansehen, auch wenn diese nur den Bruchteil des Buches beinhaltet. Anne Rice hat es geschafft faszinierend über die Wesen der Nacht zu schreiben und doch viele neue Aspekte einzubringen. Sie zeigt die Vampire als wunderschöne und skrupellose Wesen. Sie bedient sich sehr alten Klischees wie dem Durst nach Blut, doch gibt sie durch Louis und Claudia den Vampiren auch ein völlig neues Gesicht. Claudia wandelt sich nicht mehr, nachdem sie gebissen wurde und lebt mit dem Geist einer erwachsenen Frau im Körper eines Kindes. Sie ist auf die Hilfe von anderen Vampiren angewiesen, um sich ernähren zu können. Auf ewig muss sie sich an Louis oder Lestat binden, was sie schier verrückt werden lässt. Mit Hass, aber auch Liebe, tritt sie ihren Schöpfern entgegen und ist eigentlich eine ganz bemitleidenswerte Person. Louis hingegen hat für mich im gesamten Buch eine Art Opferrolle. Er kann sich nicht von Lestat lösen, scheint ihm gegenüber auch eine Art Schuld zu verspüren und doch ist er mit dem Leben, welches er hat, nicht zufrieden. Er hatte sterben wollen und ist nun ein Untoter, der die Zeiten überlebt und viele Dinge gesehen hat. Er scheint ständig melancholisch zu sein, gar dauerhaft traurig bis depressiv. Sein Schöpfer Lestat ist wieder das komplette Gegenteil seiner "Kinder". Er ist ein richtiger Lebemann, schreckt vor keiner Gewalt zurück. Es macht ihm Spaß hinterrücks zu meucheln oder fast sein eigenes Geheimnis zu verraten. Er ist durchtrieben sowie blutrünstig und doch scheint er Angst davor zu haben, dass sich Louis irgendwann von ihm lossagen könnte und er allein ist. Das scheint im Allgemeinen die Angst der älteren Vampire zu sein. Die Ewigkeit scheint für sie noch unerträglicher, wenn sie wissen, dass sie sie allein verbringen sollen. Das wird vor allem klar, als der Vampir Armand in Louis Leben tritt und ihn bittet, sich ihm anzuschließen.
Was mich an dem Buch ebenfalls sehr begeistert hat war die düstere Stimmung und die Möglichkeit vollkommen in die Geschichte abzutauchen und sich überraschen zu lassen. Nicht einmal war es möglich überhaupt zu erahnen, was denn als nächstes kommt. Selbst beim nochmaligen Lesen findet man immer wieder neue Details und freut sich darüber, dass die Geschichte von Anne noch immer nicht so ausgelutscht ist, wie so manch anderer Vampirroman, der heutzutage auf den Markt geschmissen wird. Man hat hier einfach das Gefühl immer wieder etwas Neues zu lesen. Das Gefühl von "Kennst du einen Roman, kennst du alle", kommt hier einfach nicht auf.


Empfehlen möchte ich das Buch allen Vampirfans die noch auf der Suche nach richtig guten und anspruchsvollen Vampirromanen sind. Die Details und die beschrieben Emotionen in dem Buch sind einfach traumhaft. Der Schreibstil fesselt ab der ersten Minute und die Spannung lässt einen beim Lesen oft den Atem anhalten.


Idee: 5/5
Details: 5/5
Emotionen: 5/5
Spannung: 5/5
Suchtfaktor: 5/5


Gesamt: 5/5

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: Lizenzausgabe (8. September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442469228
  • ISBN-13: 978-3442469222
  • Originaltitel: Interview with a vampire
  • Größe und/oder Gewicht: 11,9 x 2,5 x 18,5 cm

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen