Sonntag, 3. April 2016

"Meine Erlebnisse in dem furchtbaren Weltkriege 1914-1918" von Franz Arneitz



Franz Arneitz ist 21 Jahre, als er für den ersten Weltkrieg eingezogen wird und das elterliche Haus - seine heimatliche Scholle - für längere Zeit verlassen muss. Detailliert schildert er in seinen Tagebuchaufzeichnungen, was ihn während seiner Ausbildung zum Soldaten und im Einsatz an der Front widerfährt. Durch sorgfältiger Mitschrift seiner Reiseroute lässt sich sein Weg nach verfolgen. Dabei sind seine Beschreibungen über seine Erlebnisse schon fast journalistischer Natur. Er schreibt zwar über seine Ansichten und Gefühle, doch merkt man mit dem Verlauf der Jahre, dass er abstumpft. Dieses Tagebuch spiegelt all seine Emotionen wieder ohne zu übertreiben. So erlebt der Leser abscheu gegenüber der Gräueltaten der Offiziere gegenüber der zivilen Bevölkerung und der Gefangen, man erlebt, wie er der Verzweifelung nah ist und sich nur noch die erlösende Kugel wünscht. Man erlebt, wie er um die Daheimgebliebenen bangt, wie er seinen Freunden beim sterben zusehen muss und wie er sich doch ein Stück weit seinen Seelenfrieden bewahrt, indem er mit dem einen oder anderen nachsichtig verfährt.

Ich durfte das Buch im Rahmen einer Leserunde lesen und muss sagen, dass es mir schwer gefallen ist, dieses Buch aus den Händen zu legen. Es ist wirklich gut. Fast fehlen mir die Worte bei diesen ganzen Eindrücken. Es zeigt die Sicht eines einfachen Soldaten, ganz ungeschönt. Dabei schreibt Arneitz so bildlich, dass man sich die damaligen Umstände richtig vorstellen kann. Er beschreibt körperliche Anstrengungen, Angst, Hoffnung und Kummer, übertreibt dabei aber nicht. Erschreckende Szenen tun sich auf und man wird über die Verbrechen an der Zivilen Bevölkerung oder am gemeinen Soldaten aus den eigenen Reihen aufgeklärt. Wer den Offizieren komisch erschien wurde aufgeknüpft, wer nicht mehr marschieren konnte schlichtweg erschossen. Es wurde geplündert, es wurde gemordet, es wurde gestorben. Tagelang mussten die Soldaten um ihr Leben bangen, tagelang unter unheimlichen Bedingungen leben. Eines der schwersten Erlebnisse, die der Franz hatte, war für mich, als ihm die Füße so abgefroren waren, als er auf dem Rückzug vor den Russen war, dass er im Lazarett davor bangte, dass man ihm die Füße abnehmen wollte. Auch in solchen Situationen beschrieb Arneitz nicht nur seinen zustand, sondern beschreibt seine Beobachtungen und auch seinen Einsatz im Lazarett. Auch aus psychologischer Sicht ist das Buch interessant zu betrachten. Arneitz durchläuft viele Stadien, die ihn an seine Grenzen treiben, er kämpft, er zaudert, er gibt sogar einmal sein Leben in die Hände seines Offiziers. Man kann sich nur zu bildhaft vorstellen, was wohl in ihm vorgegangen ist und was die Kriegsjahre mit ihm gemacht haben.
Erstaunlich ist auch immer wieder mit anzusehen, wie der Soldat Arneitz von einem Regiment ins nächste, von einem Standort zum nächsten hin und her geschoben wird. Dass mit den Soldaten nicht lang gefackelt wurde, war mir klar, aber dass sie so schnell und so eiskalt an anderen Stellen wieder eingesetzt werden, fand ich schon sehr erschreckend! Für das Gesamtbild hat mir das gezeigt, dass du in der damaligen Zeit, als einzelner Mensch lediglich nur ein Bauer in einem Schachspiel warst, den man schnellst möglich von A nach B schieben konnte. Die Soldaten waren einfach nichts wert.
Was ich im Übrigen auch ganz toll fand war, dass es auch Fotografien von Franz Arneitz zu sehen gibt. So zeigt es ihn fast nur in Uniform, mit seinen Schwestern, seiner Familie, zu seinem Einzug und während eines Heimaturlaubs. Besonders eine Fotografie hat sich mir sehr eingebrannt. Dort zu sehen ist eine Postkarte, auf der die "Kriegshelden" der Region mit Portraitfotografien abgebildet sind - Personen, die im Krieg gefallen sind. Ein Andenken, aber doch sehr makaber, so finde ich.

Das Buch möchte ich allen empfehlen, die Zeitzeugenberichte mögen und sich an geschichtlichen Hergängen interessieren. Es ist eine wunderbare Grundlage, um sich ein Bild über die damaligen Zustände zu machen. Fast möchte ich schon behaupten, dass es schade ist, dass solche Zeitzeugenberichte nicht in Schulprogramme aufgenommen werden, es ist wirklich ein gutes Anschauungsmaterial. 


  • Taschenbuch: 144 Seiten
  • Verlag: Kremayr & Scheriau (1. Februar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3218010284
  • ISBN-13: 978-3218010283
  • Größe und/oder Gewicht: 14,1 x 2,2 x 22,1 cm

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