Montag, 1. Februar 2016

Hurghada

Nach einem turbulenten Jahr beschlossen wir 2010 das Jahr mit einem Urlaub abzuschließen. Das Budget war klein, wir wollten aber in die Sonne, deshalb fiel unsere Wahl auf Ägypten, besser gesagt Hurghada, weil wir noch ein bisschen Badeurlaub machen wollten. Schnell hatten wir zusammen mit unserem Reisebüro ein kleines Hotel im Zentrum mit Strandlage gefunden, welches uns auch preislich zusagte.

Ein Blick die Straße entlang. Trostlos, die Gebäude halb fertig.
So machten wir uns eine Woche vor Weihnachten auf den Weg in die Sonne und das war auch bitter nötig, denn bei uns waren Minusgrade. Es war sogar so kalt und glatt, dass unsere Fahrer uns vorsichtshalber zwei Stunden früher am Flughafen absetzten. Nach verspäteter Startzeit und einem recht unangenehmen Flug mit airberlin kamen wir schließlich wohl behalten in Hurghada an und prompt schlug uns die Hitze des Landes entgegen. Schnell wurden Pullover ausgezogen und in den Rucksäcken verstaut, während wir auf die Einreise warteten. Gar nicht so einfach, da mit uns eine Maschine aus Russland landete und die netten russischen Mitbürger gar nicht daran dachten, sich wie wir mit in der Reihe anzustellen. So warteten wir über eine Stunde, bis wir endlich unsere 10 € pro Person Visum bezahlen konnten und uns endlich nach unserem Taxi umsehen konnten, das uns zu unserem Hotel bringen sollte.

Ein Blick aus dem Hotel.
Nun, was soll ich sagen? Andere Länder, andere Sitten. Es war ein Kulturschock. Jedes Auto fuhr ohne Sinn und Verstand. Überall gab es Polizeikontrollen mit stark bewaffnetem Personal. Die Straßen waren von halbfertigen Bauten gesäumt, die nicht mehr weiter errichtet wurden sondern als Wohnraum dienten. Überall sah man verheerende Zustände, Müll lag überall herum, alles war runtergelottert. Erst im Hotel fühlte man sich wieder der Zivilisation nahe. Bereits vor dem Hotel lungerten Verkäufer, die "original papyri" und "original clock" anboten. Es war zu überlegen, ob man sich überhaupt noch einmal auf die Straße begeben sollte. Doch wir wollten sehen, wo wir gelandet sind. Die Straße hoch und runter gab es neben noch mehr Müll diverse Einkaufsmöglichkeiten, in denen man nachgemachte Designerkleidung kaufen konnte. Überall gab es Wasserpfeifen und Cafe´s. Während wir in so manchem Geschäft fast festgehalten wurden, damit wir etwas kaufen, waren andere zuvorkommend - doch immer wieder wurden wir auf der Straße angesprochen, ob wir nicht etwas "original" kaufen wollten. Ich habe mich sehr bedrängt gefühlt und mich doch recht fehl am Platz gefühlt. Trotzdem hatte Hurghada aber auch seinen Charme. Hatte man sich in einer der Cafe´s gesetzt, konnte man unbehelligt Shisha rauchen und Cocktails trinken - wenn nicht unbedingt eine Frau mit roten Nelken neben dir stehen blieb udn dir so lange die Blume ins Gesicht gehalten hat, bis du sie dann doch endlich gekauft hast. In einer Nebengasse fanden wir sogar einen Süßigkeitenladen, in dem es alles gab, was man sich nur erträumen konnte. Als wir aus dem Laden traten, sah ich, wie eine Familie ihren Müll einfach aus dem Fenster entsorgte, einfach auf die Straße... Und wer es doch einmal wagt eine Straße zu überqueren, der muss immer damit rechnen tot gefahren zu werden. Zebrastreifen? überbewertet. Wer hupt hat Vorfahrt. Du kannst als Fußgänger nicht hupen? Pech gehabt! Davon abgesehen hat man spätestens nach einem Marsch die Einkaufsstraße hoch und runter am nächsten Tag einen Muskelkater. Bordsteine sind in Ägypten so hoch, dass man sich fühlt, als würde man die ganze Zeit Treppen steigen ;-)

Das Nachtleben.
Man merkt, dass es sich hier um eine Wüstenstadt handelt. Wasser wird in großen Tanks in die Hotels gefahren und in die Wasserspeicher gepumpt. Es wurde uns bereits zu Beginn der Reise empfohlen das Wasser aus der Leitung nicht zu trinken. Warum, konnten wir dann im Hotel feststellen. Das Wasser roch nach Chlor, manchmal auch unangenehm, als ob man es aus einem Jauchefass gepumpt hätte. Definitiv ein Kulturschock für mich. Hinzu kam, dass wir in unserem Hotel die einzigen Deutschen waren, bis auf ein anderes jüngeres Paar. Die restlichen Bewohner des Hotels waren Russen und dementsprechend laut war es immer wieder in der Nacht. Fassen wir zusammen: Hurghada - Trostlosigkeit, unsauber und sehr aufdringliche Menschen. All diese Faktoren waren für mich ausschlaggebend, dass Hurghada für mich als nochmaliges Reiseziel gestorben war.

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