Mittwoch, 30. Dezember 2015

Ich sehe was, was du nicht liebst von Heike Abidi



Stell dir vor: Du bist Hausfrau, Übermutter und die Buchhalterin für die Baufirma deines Mannes. Du weißt, wo der Hase lang läuft, du erledigst alles. Alle verlassen sich auf dich. Du funktionierst rund um die Uhr. Bis schließlich deine beste Freundin vorschlägt, dass du dir auch einmal eine Auszeit gönnen könntest. Du sollst mit ihr in ein Spa fahren und ein Wellnesswochenende verleben! Schließlich hast du dir das verdient, du schuftest ja schon so genug! Du bist das Gourmetrestaurant für die privaten Geschäftsessen deines Mannes, du bist die Waschmaschine und das Bügelbrett für die Mode deiner Tochter, du bist der Manager für die Kindergartenbesuche und Fußballspiele, du bist der Gassigeher, du bist die Putzfrau, du bist einfach alles. Doch anstatt sich für deine Auszeit zu freuen und dich zu unterstützen, sind deine drei Kinder und dein Mann der Meinung, dass du doch nie wirklich was zu tun hast, schließlich bist du ja Hausfrau und somit eh den ganzen Tag zu Hause und kannst ja tun und lassen, was du willst. Und du? Du lässt dir auch noch ein schlechtes Gewissen von ihnen einreden, sodass du deinen Drei-Tages-Trip schließlich absagst. Doch dann kommt alles ganz anders als du denkst...

Willkommen im Leben von Marlene Winter. Diese muss nämlich bald feststellen, dass etwas mit ihr ganz und gar nicht stimmt, denn plötzlich kann sie niemand mehr sehen. Sie ist unsichtbar! Die drei Kinder und der Mann reagieren mit Unglauben, als sie heim kommen und Mutti nicht da ist. Sie ist also wirklich ins Spa gefahren. Doch was solls? Mutti ist ja in drei Tagen wieder da! Zeit für Pizza, DVD-Abende und solide Lästerrunden über Mutti. Zeit das Haus so richtig zuzumüllen. Mutti wird es schon richten, wenn sie wieder da ist. Blöd nur, wenn Mutti nach drei Tagen nicht wieder kommt... Das Chaos scheint perfekt. Und Marlene? Ihr sind die Hände gebunden, denn sie kann sich nicht bemerkbar machen. Sie muss dabei zusehen, wie ihre Familie ihr sauberes Heim immer mehr ins Chaos stürzt, muss zuhören, was ihre Familie so über sie zu sagen hat. Und als es ihrem Mann Phil schließlich alles zu viel wird, sucht sich dieser Hilfe bei Personen, die für Marlene kein gutes Wort übrig haben. Für Marlene steht fest, sie muss sich etwas einfallen lassen! Und vor allem muss sie wieder sichtbar werden!

Ich durfte das Buch im Rahmen einer Leserunde lesen und muss sagen, dass es mir sehr gut gefallen hat. Ich habe gelacht, ich habe mit dem Kopf geschüttelt und vor allem habe ich alltägliche Situationen wieder gefunden, die ich so voll uns ganz unterschreiben kann. Muttis sind eben die Mädchen für alles und wer dieses Buch liest, wird mir zustimmen, dass sich Heike Abidi hier einem ganz alltäglichen Klischee bedient und dieses wirklich gut verpackt hat. Immer wieder gibt es Szenen die man aus dem alltäglichen Leben kennt und immer wenn man denkt, es geht nicht mehr krasser, wird noch einer drauf gesetzt. So muss die Familie bald erfahren, dass das was Marlene geleistet hat, doch nicht so wenig war und dass sie es gar nicht so schlecht bei ihr hatten. Spätestens ab dem Punkt, an dem Oma Ella auf der Matte steht und die Familie systematisch umzukrempeln versucht. Doch auch nicht nur die Familie macht einen Lernprozess durch, sondern auch Marlene, denn dadurch, dass sie alle nur beobachten kann, lernt sie ihre Familie neu kennen und auch muss sie feststellen, dass sie die eine oder andere Aufgabe auch hätte abgeben können. Während also die Familie immer mehr erkennt, was sie an Mutti hatten, lernt Marlene auch viel über sich selbst. Endlich nimmt sie sich Zeit für sich.

Die Charaktere der Geschichte sind allesamt wirklich sehr gut ausgearbeitet. Da gibt es die Tochter, in der Pubertät, frisch verliebt, die von alles und jedem genervt ist. Dann haben wir den Familienvater, der es gewohnt ist, dass alles immer so ist, wie er es denn gern hätte. Dann gibt es den Kleinsten, der alles immer versucht auszutricksen. Wir haben die Oma, Mutter und Schwiegermutter, die ein echtes Biest sein kann. Wir haben das Familiengenie, der immer kluge Sprüche reißt. Wir haben die Angestellte, die sich versucht in das Familienleben zu drängen. Und natürlich haben wir Marlene selbst, die es immer allen recht machen möchte und nun lernen muss, dass es auch anders geht. Es ist wirklich eine bunte Mischung, die das Buch wirklich besonders macht.

Empfehlen möchte ich dieses Buch allen, die gern lachen und einfach mal die Seele baumeln lassen möchten. Vor allem möchte ich es aber Familienmuttis ans Herz legen. Ich denke, da wird es die eine oder andere Szene im Buch geben, bei der ihr euch selbst wieder findet. Das buch lässt sich sehr gut lesen und besticht durch seinen lockeren Schreibstil. Ich liebe es. Es regt zum nachdenken an, nicht nur bei den Muttis! Kids könnten mit diesem Buch durchaus ihr Verhalten gegenüber Mutti überdenken und auch Ehemänner könnten damit durchaus dezent darauf hingewiesen werden, dass sie vielleicht etwas ändern müssten indem sie z.B. im Haushalt mit anpacken. 


  • Taschenbuch: 254 Seiten
  • Verlag: Amazon Publishing (8. Dezember 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1503954528
  • ISBN-13: 978-1503954526
  • Größe und/oder Gewicht: 12,6 x 2,5 x 18,6 cm

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