Donnerstag, 3. Dezember 2015

Frieda und James Bond von Reinhilde Feichter


Wir schreiben die 1970er Jahre. Emeli wächst wohl behütet und ganz hinterwäldlerisch in einem Dorf in Südtirol auf. Während sie sich in ihrer Kindheit immer wieder über die kleinsten Dinge wundern kann und ab und an auch eine Unartigkeit begeht, wird sie von ihrer Oma und der Frieda immer wieder in die Schranken gewiesen und so erzogen. Stets, wenn sie nun etwas ausfressen will, meldet sich ihre innere Frieda und mahnt sie artig zu sein. Das Friedeln ist geboren. Doch nur so lang, bis ihr Vater endlich einen Fernseher kauft und sie James Bond über den Bildschirm flackern sieht. Ab da ist es geschehen. Während Emeli von einem Fettnäpfchen ins nächste rutscht, wird sie immer wieder von ihren inneren Stimmen begleitet. Frieda und Bond liefern sich lustige Wortgefechte und so lernt Emeli auch die Welt zu entdecken. Immer wieder stolpert sie in eine peinliche Situation - sei es ein Flug, bei dem sie nicht weiß, wie sie sich verhalten soll oder ein Blind-Date über Zeitungsannoncen - oder wie hat so viel Glück, dass man es kaum glauben kann. Emeli jedenfalls ist sich in einer Sache sicher. Sie will in ihrem kleinen Kuhkaff nicht versauern und beschließt in die große, weite Welt zu gehen.

Das Buch durfte ich im Rahmen einer Leserunde lesen und muss sagen, dass es mir wirklich sehr gut gefallen hat, auch wenn ich denke, dass man so hinterwäldlerisch kaum sein kann „wink“-Emoticon. Emeli ist wirklich in sehr vielen Situationen sehr naiv, was ihr auch manchmal zum Verhängnis hätte werden können, wenn sie nicht immer so viel Glück hätte. Emeli ist ein sehr aufgeweckter, kecker Charakter. Sie hat den Mut aus ihren Grenzen auszubrechen und durch ihre Unschuldigkeit und Naivität muss man sie einfach nur gern haben. Auch sehr toll finde ich die Beschreibung ihrer Oma, denn genau so stelle ich mir eine Oma in einem Alpendorf vor - warum auch immer. Stets arbeiten, stets nur Demut im Sinn und alles was Spaß macht taugt nichts, alles was neu ist ist eben doof - kennt man ja eigentlich von der Oma- und Opageneration, wenn es um Smartphones oder eben Computer geht. Da musste ich wirklich schmunzeln und dachte mir: Das ist ja wie aus dem Leben gegriffen.

Der Schreibstil der Autorin ist wirklich klasse. Er ist jugendlich, frisch und voller Ironie, wenn man zwischen den Zeilen liest. Das gefällt mir ganz gut. Außerdem sind die kapitel recht kurz, was wirklich Spaß beim lesen macht, denn immer wieder passieren andere verrückte Dinge. Einzig eben, dass Emeli so unbedarft ist, finde ich irgendwie nicht so toll, denn ich denke, dass jeder Teenie mehr auf dem Kasten hat. Schließlich will die Jugend aus ihren Grenzen ausbrechen und ist auf zack. Trotz alledem ist es eine schöne Geschichte, die sogar ein paar Warnungen für junge Leser bereit hält. Fahre nie bei fremden Menschen im Auto mit! Traue keinen fremden Menschen! Lass dich nicht unterkriegen! Sei wer du bist! Die Botschaften sind schön umschrieben, kommen aber an.

Empfehlen möchte ich dieses Buch eigentlich allen. Es ist nicht nur ein Buch für Jugendliche, sondern auch eine schöne leichte Lektüre für jedermann. Das Buch enthält jede Menge Witz, regt aber auch zum nachdenken an. Einfach genial.

  • Gebundene Ausgabe: 120 Seiten
  • Verlag: Edition Raetia; Auflage: 1 (11. September 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 8872835402
  • ISBN-13: 978-8872835401
  • Größe und/oder Gewicht: 12,8 x 2 x 21,1 cm

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